Antrag zur Tages­ord­nung: Digi­ta­le Abhän­gig­kei­ten ver­rin­gern: Umstel­lung der Stadt­ver­wal­tung Solin­gen auf Open-Source-Lösungen

Digi­ta­le Abhän­gig­kei­ten ver­rin­gern: Umstel­lung der Stadt­ver­wal­tung Solin­gen auf Open-Source-Lösungen

Sehr geehr­ter Herr Ober­bür­ger­meis­ter Flemm,

sehr geehr­ter Herr Aus­schuss­vor­sit­zen­der Haug,

sehr geehr­te Damen und Herren,

die CDU-Frak­ti­on im Rat der Stadt Solin­gen bit­tet dar­um, zur Sit­zung des Aus­schus­ses für Arbeit, Wirt­schaft und Ver­wal­tungs­mo­der­ni­sie­rung am 14.09.2026 unter dem Tages­ord­nungs­punkt „Digi­ta­le Abhän­gig­kei­ten ver­rin­gern: Umstel­lung der Stadt­ver­wal­tung Solin­gen auf Open-Source-Lösun­gen“ fol­gen­de Fra­gen zu beantworten:

  1. Fra­ge zum aktu­el­len Sach­stand: Wel­ches sind die in der Ver­wal­tung und ihren Betrie­ben der­zeit haupt­säch­lich und in der Brei­te ein­ge­setz­ten pro­prie­tä­ren und lizenz­pflich­ti­gen Softwareprodukte?

 

Fol­ge­fra­ge: Wel­chen gro­ben Anteil dar­an haben Soft­ware as a Ser­vice (SaaS),

Abon­ne­ments und zeit­lich befris­te­te (ablau­fen­de) Nutzungslizenzen?

  1. Fra­ge zu den ent­ste­hen­den Kos­ten: Kann man grob bezif­fern, wel­che Kos­ten der Ein­satz die­ser haupt­säch­lich und breit ein­ge­setz­ten pro­prie­tä­ren und lizenz­pflich­ti­gen Soft­ware­pro­duk­te jähr­lich etwa verursachen?
  2. Wel­ches sind neben den oben genann­ten Pro­duk­ten ggf. neur­al­gi­sche Punk­te, so auch Spar­ten­pro­duk­te oder ‑ver­fah­ren, die zwar kei­nen Ein­satz in der Brei­te erfah­ren, aber eine beson­ders wich­ti­ge Funk­ti­on erfül­len, zum Bei­spiel auf­grund von Schnitt­stel­len nach oder von außer­halb der Solin­ger Stadtverwaltung?
  3. Teilt die Ver­wal­tung die Ansicht, dass zwecks Redu­zie­rung von Abhän­gig­kei­ten, Stär­kung der digi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät und Aus­bau der Inter­ope­ra­bi­li­tät eine per­spek­ti­vi­sche Umstel­lung auf Open-Source-Lösun­gen wün­schens­wert wäre?
  4. Gesetzt den Fall, dass die Ver­wal­tung den stu­fen­wei­sen Ersatz pro­prie­tä­rer Soft­ware durch FOSS-Lösun­gen eben­falls begrüßt: Gibt es bereits Bemü­hun­gen, ers­te mög­li­che Umstel­lun­gen und Wech­sel ins­be­son­de­re mit Blick auf damit übli­cher­wei­se ver­bun­de­ne Auf­wän­de und Kos­ten zu iden­ti­fi­zie­ren und zu pla­nen? Gibt es ggf. bereits iden­ti­fi­zier­te Hin­der­nis­se und Herausforderungen?

 

Begrün­dung:

„An der Ket­te der Ame­ri­ka­ner“: So lau­te­te eine Über­schrift eines Arti­kels in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ (FAS) vom 24.05.2026. FAS-Autor Oli­ver Geor­gi schreibt in dem Arti­kel, dass im Jahr 2019 nach einer Stu­die des Innen­mi­nis­te­ri­ums 96 Pro­zent der Arbeits­plät­ze im Öffent­li­chen Dienst von Micro­soft bedient wür­den. 2025 über­wie­sen allein die Behör­den der Bun­des­ver­wal­tung rund 500 Mil­lio­nen Euro an Micro­soft. Der Autor stellt die Fra­ge, ob es nicht sinn­vol­ler wäre, die­ses Geld in den Auf­bau einer eige­nen digi­ta­len Infra­struk­tur zu stecken.

So pla­ne das Bun­des­land Schles­wig-Hol­stein seit 2018, in der Lan­des­ver­wal­tung unab­hän­gi­ger zu wer­den und alle Arbeits­plät­ze in eine Open-Source-Lösung umzu­wan­deln. Könn­te das Kie­ler Modell auch in der Klin­gen­stadt Schu­le machen? Auch in Mün­chen, so die FAS, wol­le die neue Rat­haus­ko­ali­ti­on Open-Source-Lösun­gen zum Stan­dard machen.

Ob man es befür­wor­tet oder nicht: Unser Staat ist in hohem Maße abhän­gig von weni­gen gro­ßen Tech­kon­zer­nen. Das Bochu­mer Zen­trum für Digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät der Öffent­li­chen Ver­wal­tung (Zen­dis) unter­stützt bei­spiels­wei­se Bund, Län­der und Kom­mu­nen dabei, sich aus mög­li­cher­wei­se kri­ti­schen Abhän­gig­kei­ten zu lösen und so die eige­ne digi­ta­le Hand­lungs­fä­hig­keit zu sichern. Dies geschieht ins­be­son­de­re durch die För­de­rung von Open-Source-Soft­ware in öffent­li­chen Einrichtungen.

Auch Bun­des­di­gi­tal­mi­nis­ter Kars­ten Wild­ber­ger möch­te die Abhän­gig­keit von US-Soft­ware in Behör­den ver­rin­gern. Statt auf Micro­soft set­ze er ver­stärkt auf Open Source in der Ver­wal­tung: https://​www​.zdfheu​te​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​w​i​l​d​b​e​r​g​e​r​-​v​e​r​w​a​l​t​u​n​g​-​m​i​c​r​o​s​o​f​t​-​u​n​a​b​h​a​e​n​g​i​g​k​e​i​t​-​1​0​0​.html

Digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät ist aber nicht nur eine Fra­ge der Redu­zie­rung von Abhän­gig­kei­ten (vor­nehm­lich von US-Kon­zer­nen), son­dern kann auch der Bau­stein wer­den für eine flo­rie­ren­de hei­mi­sche Digi­tal­wirt­schaft und ein star­ker Motor für die Inno­va­ti­ons­bran­che. Ob und wie sich hier die Solin­ger Wirt­schaft ein­brin­gen könn­te, ist eine Fra­ge, die dann mög­li­cher­wei­se in der Zukunft anste­hen könn­te. Mit die­ser Anfra­ge reden wir näm­lich kei­nen unrea­lis­ti­schen Insel­lö­sun­gen für die Klin­gen­stadt das Wort, son­dern wol­len im zustän­di­gen Fach­aus­schuss für Ver­wal­tungs­mo­der­ni­sie­rung erst ein­mal eine Debat­te ansto­ßen, die ohne­hin der­zeit ver­stärkt in der Öffent­lich­keit geführt wird.

Mit freund­li­chen Grüßen

 

gez.

Cars­ten Voigt

CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der

 

gez.

Ste­phan Aldejohann

Spre­cher der CDU-Frak­ti­on im AAWV

 

gez.

Marc West­käm­per

CDU-Rats­mit­glied

 

gez.

Jona­than Bürger

CDU-Rats­mit­glied

 

Ansprechpartner

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Ansgar Lange

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