Wei­ter­ge­hen­de Anfra­gen zu TOP 7 und 8 der Sit­zung des AAWV am 13.04.: Gewer­be­flä­chen, Arbeits­kräf­te, Infra­struk­tur und Verwaltungseffizienz

Sehr geehr­ter Herr Ober­bür­ger­meis­ter Flemm,

sehr geehr­ter Herr Aus­schuss­vor­sit­zen­der Haug,

sehr geehr­te Damen und Herren,

die CDU-Frak­ti­on im Rat der Stadt Solin­gen bit­tet Sie, fol­gen­de Anfra­ge auf die Tages­ord­nung des Aus­schus­ses für Arbeit, Wirt­schaft und Ver­wal­tungs­mo­der­ni­sie­rung am 13.04.2026 zu set­zen und zu beantworten:

  1. Gewer­be­flä­chen: Exis­tiert eine Über­sicht pro Gewer­be­ge­biet, wel­che Flä­chen ggf. zur Revi­ta­li­sie­rung (Nut­zungs­än­de­rung, Eigen­tü­mer­wech­sel / Ver­äu­ße­rung etc.) zur Ver­fü­gung ste­hen? (Dabei kön­nen sich Revi­ta­li­sie­rungs­op­tio­nen durch den Wunsch des Eigen­tü­mers erge­ben, sein Geschäfts­mo­dell zu ändern: Geschäfts­er­wei­te­rung, ‑ver­la­ge­rung, ‑auf­ga­be etc.).
  2. Arbeits­kräf­te: Wie vie­le Aus­zu­bil­den­de haben in den letz­ten fünf Jah­ren ihre Aus­bil­dung abge­bro­chen? In wel­cher Aus­bil­dungs­pha­se befan­den sie sich beim Abbruch? Sind die Grün­de bekannt? Wie ver­teilt sich die Abbre­cher­quo­te auf die ver­schie­de­nen Bran­chen und Berufsfelder?
  3. Infra­struk­tur: Wel­chen Sta­tus hat die Erschlie­ßung der Gewer­be­ge­bie­te mit Glas­fa­ser­ka­bel? Wel­che Gebie­te sind voll­stän­dig erschlos­sen? Wel­che sind in Pro­jek­tie­rung, und wann ist die voll­stän­di­ge Erschlie­ßung abgeschlossen?
  4. Ver­wal­tungs­ef­fi­zi­enz: Wel­che Rou­ti­ne­pro­zes­se (regel­mä­ßig auf­tre­tend) zwi­schen Unter­neh­men und Stadt­ver­wal­tung sind voll­stän­dig digi­ta­li­siert und wel­che nicht? Gibt es kon­kre­te Umset­zungs­plä­ne für die Digi­ta­li­sie­rung aller Schnitt­stel­len­pro­zes­se zwi­schen Unter­neh­men und Stadtverwaltung?

 

Begrün­dung:

Auf der Tages­ord­nung der Sit­zung des Aus­schus­ses für Arbeit, Wirt­schaft und Ver­wal­tungs­mo­der­ni­sie­rung am 13.04.2026 ste­hen zwei Anträ­ge der Ratsfraktion Bündnis90/​Die Grü­nen, auf die sich unse­re Anfra­ge bezieht. Wir begrü­ßen den Ansatz, dass wir uns im Aus­schuss gemein­sam um unse­re Gewer­be­ge­bie­te und eine zukunfts­ori­en­tier­te Wirt­schafts­po­li­tik küm­mern, aus­drück­lich. Um ein voll­stän­di­ges Bild des Ist­zu­stan­des zu erhal­ten, benö­ti­gen wir jedoch eine Ant­wort auf die vier Punk­te unse­rer Anfra­ge. Wir wür­den es begrü­ßen, wenn die Ver­wal­tung die­se Fra­gen in der Aus­schuss­sit­zung zunächst münd­lich beant­wor­ten wür­de. Die ent­spre­chen­den Aus­füh­run­gen kön­nen dann anschlie­ßend zu Pro­to­koll genom­men und den Mit­glie­dern des Aus­schus­ses zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Auf Basis der Beant­wor­tung die­ser Fra­gen sehen wir auch die Mög­lich­keit, gemein­sam mit den ande­ren Mit­glie­dern des Aus­schus­ses an einer Kon­kre­ti­sie­rung der bei­den vor­lie­gen­den Anträ­ge zu arbeiten.

Zu 1 Gewer­be­flä­chen: Mit der Anpas­sung des Mas­ter­plans in der letz­ten Rats­sit­zung ist der ers­te Schritt getan worden.

Den­noch ist die The­ma­tik der Gewer­be­flä­chen wei­ter­hin von gro­ßer Bedeu­tung. Die Ver­füg­bar­keit und geziel­te Ent­wick­lung von Gewer­be­flä­chen ist ein zen­tra­ler Stand­ort­fak­tor für die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit der Stadt Solin­gen. Gera­de vor dem Hin­ter­grund begrenz­ter Flä­chen­res­sour­cen gewinnt die Revi­ta­li­sie­rung bestehen­der Gewer­be­flä­chen zuneh­mend an Bedeu­tung gegen­über der Aus­wei­sung neu­er Flächen.

Eine sys­te­ma­ti­sche Über­sicht über poten­zi­ell revi­ta­li­sier­ba­re Flä­chen in den ein­zel­nen Gewer­be­ge­bie­ten ist daher von hoher Rele­vanz, um Ent­wick­lungs­po­ten­zia­le früh­zei­tig zu erken­nen und aktiv zu steu­ern. Ins­be­son­de­re Ver­än­de­run­gen auf Eigen­tü­mer­sei­te – etwa durch geplan­te Geschäfts­auf­ga­ben, ‑ver­la­ge­run­gen oder stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tun­gen – bie­ten Chan­cen für eine effi­zi­en­te­re Nut­zung vor­han­de­ner Flä­chen und kön­nen Impul­se für Neu­an­sied­lun­gen sowie Bestands­si­che­run­gen setzen.

Dar­über hin­aus ermög­licht eine sol­che Daten­grund­la­ge der Ver­wal­tung und der Wirt­schafts­för­de­rung, pro­ak­tiv auf Unter­neh­men zuzu­ge­hen, Nach­nut­zun­gen zu koor­di­nie­ren und Leer­stän­de bezie­hungs­wei­se Min­der­nut­zun­gen zu ver­mei­den. Dies trägt nicht nur zur Stär­kung der loka­len Wirt­schaft und Siche­rung von Arbeits­plät­zen bei, son­dern unter­stützt auch eine nach­hal­ti­ge Stadt­ent­wick­lung im Sin­ne eines flä­chen­spa­ren­den Umgangs mit Grund und Boden.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es für die poli­ti­sche Steue­rung im Aus­schuss für Arbeit und Wirt­schaft von wesent­li­cher Bedeu­tung zu wis­sen, ob und in wel­cher Form eine ent­spre­chen­de Über­sicht bereits exis­tiert bezie­hungs­wei­se auf­ge­baut wer­den kann.

Zu 2 Arbeits­kräf­te: Die Siche­rung des Fach­kräf­te­be­darfs stellt eine der zen­tra­len Her­aus­for­de­run­gen für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Stadt Solin­gen dar. Vor die­sem Hin­ter­grund kommt der dua­len Aus­bil­dung eine Schlüs­sel­rol­le zu, da sie die wich­tigs­te Grund­la­ge für die nach­hal­ti­ge Gewin­nung qua­li­fi­zier­ter Arbeits­kräf­te bil­det. Aus­bil­dungs­ab­brü­che stel­len in die­sem Zusam­men­hang ein erheb­li­ches Pro­blem dar: Sie füh­ren nicht nur zu indi­vi­du­el­len Nach­tei­len für die betrof­fe­nen Aus­zu­bil­den­den, son­dern auch zu einem Ver­lust bereits inves­tier­ter Res­sour­cen auf Sei­ten der Betrie­be. Außer­dem ver­schär­fen sie den bestehen­den Fach­kräf­te­man­gel. Umso wich­ti­ger ist es, belast­ba­re Daten über Umfang, Zeit­punkt und Ursa­chen von Aus­bil­dungs­ab­brü­chen zu erhal­ten. Ins­be­son­de­re die Dif­fe­ren­zie­rung nach Aus­bil­dungs­pha­sen sowie Bran­chen und Berufs­fel­dern kann hel­fen, struk­tu­rel­le Pro­blem­la­gen zu iden­ti­fi­zie­ren. So kön­nen bei­spiels­wei­se bran­chen­spe­zi­fi­sche Her­aus­for­de­run­gen, qua­li­ta­ti­ve Pas­sungs­pro­ble­me oder Unter­stüt­zungs­be­dar­fe früh­zei­tig erkannt wer­den. Die Kennt­nis mög­li­cher Abbruch­grün­de ist zudem eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung dafür, geziel­te Maß­nah­men zur Sta­bi­li­sie­rung von Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­sen zu entwickeln.

Eine fun­dier­te Daten­ba­sis ermög­licht es Poli­tik und Ver­wal­tung, gemein­sam mit Kam­mern, Betrie­ben und wei­te­ren Akteu­ren wirk­sa­me Stra­te­gien zur Redu­zie­rung von Aus­bil­dungs­ab­brü­chen zu erar­bei­ten. Dies trägt nicht nur zur Fach­kräf­te­si­che­rung bei, son­dern stärkt auch die Attrak­ti­vi­tät des Aus­bil­dungs­stand­orts insgesamt.

Zu 3 Infra­struk­tur: Eine leis­tungs­fä­hi­ge digi­ta­le Infra­struk­tur ist heu­te ein ent­schei­den­der Stand­ort­fak­tor für Unter­neh­men und damit von zen­tra­ler Bedeu­tung für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Stadt Solin­gen. Ins­be­son­de­re der Zugang zu Glas­fa­ser­an­schlüs­sen stellt für vie­le Betrie­be – vom pro­du­zie­ren­den Gewer­be bis hin zu Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men – eine grund­le­gen­de Vor­aus­set­zung für effi­zi­en­te Geschäfts­pro­zes­se, Inno­va­ti­on und Wachs­tum dar. Vor dem Hin­ter­grund der fort­schrei­ten­den Digi­ta­li­sie­rung sowie zuneh­men­der Anfor­de­run­gen an Daten­ver­füg­bar­keit und ‑geschwin­dig­keit ist eine flä­chen­de­cken­de und zukunfts­si­che­re Ver­sor­gung der Gewer­be­ge­bie­te uner­läss­lich. Defi­zi­te in der digi­ta­len Infra­struk­tur kön­nen hin­ge­gen Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen nega­tiv beein­flus­sen und bestehen­de Unter­neh­men in ihrer Ent­wick­lung hem­men. Eine trans­pa­ren­te Über­sicht über den aktu­el­len Aus­bau­stand, lau­fen­de Pro­jek­te sowie kon­kre­te Zeit­per­spek­ti­ven für die voll­stän­di­ge Erschlie­ßung ist daher not­wen­dig, um die wirt­schafts­po­li­ti­sche Steue­rung im Aus­schuss fun­diert wahr­neh­men zu kön­nen. Sie ermög­licht es, Hand­lungs­be­dar­fe früh­zei­tig zu iden­ti­fi­zie­ren, Prio­ri­tä­ten zu set­zen und den Aus­bau gezielt zu beglei­ten. Zugleich schafft sie Klar­heit über den Ver­sor­gungs­grad als Grund­la­ge für eine akti­ve Ansied­lungs­po­li­tik sowie eine ver­läss­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on gegen­über ansäs­si­gen und poten­zi­el­len Unter­neh­men. Dies ist ins­be­son­de­re im Wett­be­werb mit ande­ren Kom­mu­nen von gro­ßer Bedeutung.

Der Arti­kel im Solin­ger Tage­blatt vom 31.03.2026 bezieht sich stär­ker auf Pri­vat­haus­hal­te. Aller­dings ist dies für uns Anlass, um den Sta­tus quo der Gewer­be­ge­bie­te zu betrachten.

Zu 4 Ver­wal­tungs­ef­fi­zi­enz: Eine effi­zi­en­te und ser­vice­ori­en­tier­te Ver­wal­tung ist ein wesent­li­cher Stand­ort­fak­tor für Unter­neh­men und damit von gro­ßer Bedeu­tung für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Stadt Solin­gen. Ins­be­son­de­re die Aus­ge­stal­tung der Schnitt­stel­len zwi­schen Unter­neh­men und Ver­wal­tung beein­flusst maß­geb­lich die Attrak­ti­vi­tät des Stand­orts, etwa bei Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, Mel­dun­gen oder lau­fen­den Verwaltungsprozessen.

Vor dem Hin­ter­grund der fort­schrei­ten­den Digi­ta­li­sie­rung erwar­ten Unter­neh­men zuneh­mend schnel­le, trans­pa­ren­te und medi­en­bruch­freie Ver­fah­ren. Nicht digi­ta­li­sier­te oder inef­fi­zi­en­te Rou­ti­ne­pro­zes­se füh­ren hin­ge­gen zu zusätz­li­chem büro­kra­ti­schem Auf­wand, Zeit­ver­lus­ten und poten­zi­el­len Wett­be­werbs­nach­tei­len gegen­über ande­ren Kommunen.

Eine sys­te­ma­ti­sche Bestands­auf­nah­me, wel­che regel­mä­ßig anfal­len­den Pro­zes­se bereits voll­stän­dig digi­ta­li­siert sind und wo noch Defi­zi­te bestehen, ist daher eine wesent­li­che Grund­la­ge für geziel­te Ver­bes­se­run­gen. Eben­so ist es für die poli­ti­sche Steue­rung von hoher Rele­vanz zu wis­sen, ob und in wel­chem Umfang kon­kre­te Umset­zungs­plä­ne zur voll­stän­di­gen Digi­ta­li­sie­rung die­ser Schnitt­stel­len bestehen.

Die Beant­wor­tung die­ser Fra­gen ermög­licht es, Prio­ri­tä­ten im Bereich der Ver­wal­tungs­mo­der­ni­sie­rung zu set­zen, Ver­fah­ren zu beschleu­ni­gen und die Inter­ak­ti­on zwi­schen Wirt­schaft und Ver­wal­tung nach­hal­tig zu ver­bes­sern. Dies stärkt nicht nur die Zufrie­den­heit der ansäs­si­gen Unter­neh­men, son­dern trägt auch zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Zukunfts­fä­hig­keit des Wirt­schafts­stand­orts ins­ge­samt bei.

 

gez. Cars­ten Voigt

CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der

 

gez. Ste­phan Aldejohann

Spre­cher der CDU-Frak­ti­on im AAWV

Ansprechpartner

Bild von Ansgar Lange

Ansgar Lange

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