Die Solinger CDU-Fraktion dringt bei der Auseinandersetzung um die rechtswidrige Suspendierung von Rechtsdezernent Jan Welzel nun auf vollständige Aufklärung durch den Düsseldorfer Regierungspräsidenten (RP). In einem heute versandten Offenen Brief an RP Thomas Schürmann (Bündnis90/Die Grünen) fordert Fraktionschef Carsten Voigt eine lückenlose Aufarbeitung des Vorgehens der Bezirksregierung Düsseldorf sowie personelle Konsequenzen des Behördenleiters.
„Politische Willkür statt Rechtsaufsicht“
Nachdem ein Gericht die über dreimonatige Suspendierung Jan Welzels aufgehoben hat, sieht Voigt den Tatbestand der „öffentlichen Vorverurteilung“ als erwiesen an. „Wir akzeptieren nicht, dass ein verdienter Wahlbeamter unserer Stadt ohne stichhaltige Beweise demontiert wird“, so Voigt. In dem Brief an den Regierungspräsidenten kritisiert der CDU-Fraktionsvorsitzende insbesondere, dass die Bezirksregierung das Verfahren ein Jahr nach den Razzien ohne neue Erkenntnisse an sich gezogen habe – ein Vorgang, der laut CDU weniger nach sachlich-objektiven Absichten, sondern eher nach „politischer Motivlage“ riecht.
Forderung nach personellen Konsequenzen
Der Brief an Schürmann ist eine deutliche Ansage in Richtung Düsseldorf. Voigt stellt darin die Eignung des Regierungspräsidenten offen infrage:
„Es stellt sich die dringende Frage, ob Thomas Schürmann noch die notwendige fachliche und moralische Eignung besitzt, eine solch sensible Behörde zu leiten. Menschlich war dieses Vorgehen unanständig; politisch ist es untragbar.“
Schutz der kommunalen Selbstverwaltung
Voigt betont, dass durch das Agieren der Aufsichtsbehörde die Handlungsfähigkeit der Stadt Solingen mutwillig geschwächt wurde. Oberbürgermeister Daniel Flemm und der Verwaltungsvorstand mussten die Vakanz unter massiver Mehrbelastung auffangen. Der Fraktionsvorsitzende fordert nun eine Prüfung auf Schadenersatz und eine öffentliche Rehabilitation des Beigeordneten Jan Welzel durch die Bezirksregierung. Mögliche weitere Schritte behält sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Carsten Voigt in dieser Sache ausdrücklich vor – dafür sei der Schaden, der Jan Welzel und der Stadt Solingen zugefügt worden sei, zu groß.
Als Jan Welzel Anfang Dezember suspendiert worden sei, hätten der CDU-Fraktion – wie der Öffentlichkeit insgesamt – nicht die gesamten Unterlagen zu den Vorwürfen gegenüber dem Beigeordneten vorgelegen, so Voigt. Man habe daher auch zu dem, was dem Beigeordneten vorgeworfen worden sei, inhaltlich keine Stellung beziehen können. Das Grundvertrauen, das man damals der Bezirksregierung entgegengebracht habe, sei nun zutiefst erschüttert. Jetzt helfe nur restlose Aufklärung und eine transparente Informationspolitik. „Ich gehe davon aus, dass der Regierungspräsident auch ein Eigeninteresse hat, auf unser Schreiben so schnell wie möglich zu reagieren“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende.